Obwohl Stina Hauser schon früh klar war, dass das Angestelltenleben nichts für sie war, wollte sie sich mit der Selbstständigkeit eigentlich Zeit lassen. Eigentlich … Doch dann kam es – wie so oft im Leben – anders.

Im Mutmach-Interview für Selbstständige erzählt Stina von ihrem Weg, von Zufällen, Erfolgen und Rückschlägen, von Leidenschaft, Liebe und Geduld. Dabei verrät sie auch, wie sie Job und Familie vereint, warum sie Freizeit und Beruf nicht mehr trennen möchte und wie sie mit Selbstzweifeln umgeht.

Du kannst das Interview wahlweise als Video anschauen oder die Transkription lesen. Viel Spaß!

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Ich bin Stina. Ich habe mein Unternehmen gegründet 2016. Und ich sage immer ganz gern, ich bin der leitende Kopf und das hörende Herz von Stina Hauser Gesundheitstraining, hier in Karlsruhe. Da bin ich in Karlsruhe Südwest und in Karlsruhe Rüppurr, miete mir dort zwei Räume an, wo ich mein Angebot ausleben kann. Und was mache ich da?

Ich gebe Präventionskurse im Bereich Yoga, Pilates und Aroha. Und ich leite Workshops und gebe jetzt neuerdings auch Seminare, Wochenendseminare und auch Vorträge. Und ich bin super happy, dass ich dahin gekommen bin, denn ich bin ursprünglich ausgebildete Physiotherapeutin und habe damals in meiner Ausbildungszeit – weil die Ausbildung ja etwas kostet – nebenbei schon gearbeitet, mir so mein Geld verdient, um mir die Ausbildung finanzieren zu können.

Meine erste Ausbildung nebenbei, die ich gemacht habe, war Tae-Bo-Trainerin. Und da habe ich so meine ersten Erfahrungen im Gruppentraining gesammelt und habe einfach gemerkt: Wow, das macht mir unglaublich viel Spaß. Das ist richtig cool, Menschen zu motivieren und sie zu bewegen und ja, Potenzial aus ihnen rauszukitzeln, und ja, auch zu sehen oder diese Erfahrung zu machen, dass es ein Talent ist von mir, dass ich Menschen mitreißen kann.

In meiner Ausbildungszeit habe ich ganz schnell festgestellt, dass die Therapie nicht meine Welt ist. Das hat sich für mich gar nicht stimmig angefühlt, weil ich einfach für mich gemerkt habe, dass wir da auf einer Seite ansetzen, die mir nicht gefällt. Sprich: Wenn Krankheiten da sind, wenn Symptome schon da sind. Und dann setzen wir in der Therapie ja auch oftmals symptomatisch an und gar nicht bei der Ursache.

Wie Stina Hauser ihre Leidenschaft fand

Deswegen lege ich in meinem Unternehmen so den Schwerpunkt – und das ist mir ganz wichtig – auf die Prävention, also auf die Gesunderhaltung und auch die Stärkung und die Förderung der Gesundheit. Und damit meine ich Gesundheit und Wohlbefinden, Wohlergehen.

Und dann kommt auch mein nächster Schwerpunkt, die Ganzheitlichkeit, eben nicht nur auf körperlicher Ebene, sondern auch auf mentaler Ebene, wie auch auf seelischer. Oder ich sage ganz gerne auf Herzensebene, weil wir Körper, Geist und Seele nicht voneinander trennen können. Das waren auch viele Erfahrungen, die ich gesammelt habe im Laufe meiner Zeit als Physiotherapeutin, dass das unglaublich miteinander einhergeht, dass wir das eine vom anderen gar nicht trennen können, was aber viele Menschen heute immer noch tun oder denken, dass man das eine vom anderen trennen könnte.

Dann hat sich ganz schnell rauskristallisiert, dass mir klar war, ich sehe mich in der Prävention. Und ich bin super happy, dass ich einen Weg gefunden habe, da jetzt hinzukommen und genau da anzukommen und jetzt genau das machen zu können.

Wie hat Dein Umfeld darauf reagiert, als Du beschlossen hast, Dich selbständig zu machen?

Ganz unterschiedlich. Und ich muss auch sagen, das war so ein fast schleichender Prozess.

Für mich war immer ganz schnell und früh klar, dass ich mich selbständig machen möchte, dass ich mich selbständig machen werde, weil für mich schon während meiner Ausbildungszeit und auch schon damals in der Schule, als wir so die ersten Praktika gemacht haben, ich ganz schnell gemerkt habe, dass ich nicht gemacht bin für diese klassische Variante, dass ich nicht in dieses System so reinpasse und mich da auch nicht so anpassen möchte, weil ich sehe, dass viele Menschen total gegen ihren natürlichen Biorhythmus arbeiten, dadurch, dass sie in ihrer Arbeit so gefangen sind und alles so vorgefertigt ist, wann sie arbeiten müssen, zu welchen Zeiten und welchem Inhalt sie nachgehen müssen. Und als Arbeitnehmer kriegt man ja in der Regel einfach Aufgaben, die man zu erfüllen hat in der vorgegebenen Zeit.

Da fehlt mir einfach so, wie soll ich sagen? Das ist für mich so plump, so leblos. Ja, das ist ein schöner Ausdruck, so leblos, weil da fehlt die Leidenschaft. Es sei denn, man kann sich mit dem Unternehmen total identifizieren und steht total hinter der Mission und das, was das Unternehmen so vorhat. Dann ist das vielleicht noch mal ein bisschen was anderes. Aber ich glaube, so wie ich das beobachte in meinem Umfeld, viele machen wirklich einfach den Job als Job, weil am Ende kommt halt Geld bei raus. Aber Motivation fehlt da halt vollkommen. Für mich war halt ganz schnell klar, das bin nicht ich. Das will ich nicht.

Ich hatte damals 2016 tatsächlich gar nicht zwingend vor, mich zu dem Zeitpunkt schon selbständig zu machen, weil meine Tochter war da noch relativ klein. Und da hatte sich das für mich eigentlich noch gar nicht stimmig angefühlt, weil da war so das Thema Sicherheit etwas ausgeprägter und größer, weil mein Mann auch selbständig, viel am Arbeiten, viel unterwegs. Und ich habe einfach kein Rückhalt, also keine Großeltern, die Zeit hätten, meine Tochter mal zu nehmen. Und da war mir einfach klar, jetzt zu dem Zeitpunkt, mich selbständig zu machen, wäre riskant und nicht einfach, weil ich habe keine Rückendeckung. So war das zu dem Zeitpunkt eigentlich gar nicht geplant, mich selbständig zu machen. Das wollte ich tatsächlich erst später in Angriff nehmen.

Das hatte sich aber ergeben, weil ich habe meine Yogalehrer-Ausbildung abgeschlossen, also irgendwann weit nach der Physiotherapie. Und da bin ich angekommen. Und jetzt heute kann ich auch tatsächlich sagen, ich mache nicht Yoga, sondern ich bin Yoga. Ich bin da total in der Welt angekommen, die ich immer schon war. Aber das war mir natürlich bis dahin gar nicht bewusst.

Stina Hauser: "Das ist nicht mein Beruf, sondern meine Berufung"

Ich hatte so einen Drang. Da war so viel Feuer in mir. Da war so eine Stimme. Da war so viel Klarheit, die mir gesagt hat, ich muss das machen. Das ist gar nicht mein Beruf. Das ist meine Berufung. Ich muss das einfach machen. Mein Anreiz war so sehr da.

Ich bin dann nach Karlsruhe zurückgekommen und habe mich hier erstmal beworben. Ich wollte Yoga unterrichten, aber erstmal gar nicht selbständig, sondern da erstmal Fuß fassen und Erfahrungen sammeln. Und das ging halt nach hinten los, weil entweder wurde ich nicht gebraucht, weil genug Yogalehrer in der Yogaschule vorhanden waren zu dem Zeitpunkt. Oder sie wollten mich für was anderes, weil sie gesehen haben, ich bin Physiotherapeutin und habe ganz viele andere Trainerausbildungen, Aroha und Pilates. Und da haben sie gesagt: „Ach komm, das wäre toll, wenn Du Pilates oder Aroha bei uns machst. Dann können wir unser Yogaangebot praktisch um etwas erweitern.“ Aber das wollte ich damals gar nicht.

Andere wiederum wollten mir nicht genug zahlen, also für mein Empfinden. Und so kam das dann überhaupt.

Irgendwann war dann dieser Raum, den ich gefunden habe, der zur Vermietung frei, zur Verfügung steht. Und irgendwie hat mein Gefühl gesagt, geh mal dahin. Schau ihn Dir an. Schau ihn Dir einfach mal an. Du hast ja noch nichts, Du musst ja noch gar keine Entscheidung treffen.

Und ich stand dann in diesem Raum. Und ja, da war es einfach klar, dass ich das machen muss. So jede Zelle, jede Pore meines Daseins, jede Zelle meines Körpers hat mir einfach gesagt, schalte Deinen Kopf ab. Egal, diese tausend Wenns und Abers, Du spürst es. Ich spüre es von Kopf bis Fuß. Und alles in mir schreit, mach einfach. Mach es. Und da war so ein Gefühl von Vertrauen und einfach mal machen. Und so ging das dann eigentlich los.

Mit wenigen Kursen habe ich angefangen. Und ja, wie hat mein Umfeld reagiert, um auf deine ursprüngliche Frage dann zurückzukommen.

Also mein Mann war auch so zwiegespalten, so: „Puh, ob wir das schaffen?“ Auf der anderen Seite hat er mich natürlich auch unterstützen wollen und gesagt: „Hey, wir kriegen das hin irgendwie. Jetzt mach halt mal. Fang einfach mal an. Und dann schauen wir mal, wie, was, wohin das überhaupt führt.“ Und meine Mutter, die war wirklich gleich so: „Okay, wird nicht einfach, aber cool. Auch ich stehe hinter Dir.“

Und mit allzu vielen habe ich gar nicht darüber gesprochen. Ich habe dann einfach mein Ding gemacht.

Du hast davon gesprochen, dass man im Beruf am besten eine Mission haben sollte. Was ist Deine Mission?

Da kommen direkt, dingdingdingding, ganz viele Dinge in meinen Kopf. Und das ist was, woran ich selber merke, dass ich noch ein bisschen arbeiten möchte, so in zwei Sätzen auf den Punkt zu kommen.

Also: Ich habe zwei Missionen. Das eine ist einmal für mich selbst und zwar wirklich nicht Arbeit und Freizeit zu trennen. So: Das ist die Arbeit, wo viele ja auch Arbeitskleidung anziehen, in ihre Rolle schlüpfen und dann das machen von bis, dann Feierabend, Punkt, fertig, und dann zurück in die Freizeit. Sondern meine Mission ist, mal in erster Linie, dass das, was ich bin, das, was mich ausmacht, wirklich auch in meinem Job einfach sein kann, dass ich mich gar nicht verstellen muss und in gar keine Rolle schlüpfen muss.

Und das ist letztlich genau das, was ich jetzt tue. Das, was ich mache, das bin ich einfach. Und das bin ich nicht nur innerhalb meiner Kurse, während ich die gebe oder während ich Workshops gebe oder Vorträge halte, sondern das macht mich einfach aus. Ich bin das. Und ich lebe das. Das ist mal so meine Mission für mich. Und das ist die Mission, die ich natürlich schön fände, wenn das möglichst viele da draußen für sich finden und umsetzen können.

Und meine Mission mit dem Unternehmen selbst ist die Botschaft, dass es mir ganz wichtig ist, Menschen dahin zu führen, sich wieder mit sich selbst zu verbinden. Ich behaupte von mir, ich bin ein sehr guter Beobachter und sehr guter Zuhörer, schon immer. Und viele Menschen leiden im kleineren Maß oder im größeren Maß körperlich, seelisch, wie auch immer. Das liegt daran, dass sie sich total von sich selbst entfernt haben und das manchmal nicht mal realisieren, weil wir so viel im Außen unterwegs sind, weil wir all unsere Rollen erfüllen, und weil wir Erwartungen erfüllen, aber dabei uns selbst total vergessen.

Grafik Stina Hauser: Das was ich mache, das bin ich

Das ist letztlich dann meine Mission: Ich möchte Menschen da draußen helfen, sie wieder zu sich selbst zu führen. Und letztlich dann auch Fragen, die sie haben, selbst beantworten zu können, weil das kann man nämlich, wenn man sich regelmäßig mit sich selbst beschäftigt, wenn man sich selbst Raum schenkt.

Das müssen keine drei Stunden jeden Tag sein. Das ist ja das. Viele denken immer so, oh, das schaffe ich gar nicht. Wo soll ich das noch unterbringen? Ich will zeigen, dass es mit kurzer Zeit und mit wenigen Inputs möglich ist, regelmäßig in Dich zu gehen, denn viele Menschen suchen nach Antworten, ganz viele. Und die suchen sie draußen. Sie suchen die Antworten bei ihrem Arzt, bei ihrem Therapeuten, vielleicht bei den Eltern, vielleicht bei dem Partner, vielleicht bei der Freundin, vielleicht in Büchern. Da gibt es so viel Möglichkeiten.

Aber die Antworten, die kennt jeder für sich, weil die Fragen kommen aus uns. Und die Antworten kommen aus uns. Und letztlich ist der Weg, die Antworten zu finden, nach innen zu kehren, sich mit sich selbst zu verbinden. Und dann kommen die Antworten auch. Und da möchte ich hinführen, weil ich der Meinung bin, dass unsere Gesellschaft immer mehr genau in die andere Richtung geht. Das tut mir oft weh, das zu sehen.

Du stößt dabei bestimmt oft auf Barrieren, oder?

Ja, natürlich. Es ist auch so, dass ich jetzt gerade ganz aktuell darüber nachdenke – oder schon die letzten Wochen, Monate darüber nachgedacht habe: Wie, was habe ich für eine Möglichkeit, noch einen anderen Weg, ein anderes Ventil, einen anderen Kanal zu suchen, zu finden, um diese Botschaft besser zu verbreiten?

Ich möchte jetzt meinen Blog starten, Stina bewegt. Wo ich einfach die Möglichkeit habe, alles, was mich beschäftigt, diese vielen Lebensthemen, die in mir sind, die unbedingt raus wollen, einfach rauszuhauen, zu teilen.

Ich bin davon überzeugt, dass ich sie teilen muss. Weil ich glaube, dass ganz viele Menschen da draußen davon profitieren können, weil wir alle im selben Boot sitzen. Und da ich sehe, dass ich vielen Freunden und auch vielen in der Familie schon helfen konnte und einfach mit Kleinigkeiten einen neuen Blickwinkel geben kann.

Ich finde, ich bin sehr pragmatisch und sehr einfach gestrickt. Und ich kann mit sehr einfachen Worten und einfachen Bildern komplexe Dinge ganz einfach erklären. Und das möchte ich mit meinem Blog möglich machen, dass ich noch mehr Menschen erreichen kann.

Aktuell stoße ich an Grenzen. Also erstens erreiche ich von meinem Gefühl einfach noch nicht genug Menschen, weil meine Größe ist natürlich begrenzt. Mein Raum hat eine begrenzte Größe, das heißt, es passt eine begrenzte Anzahl an Teilnehmern rein. Und auch da habe ich einfach nicht genug Möglichkeit, weil in dem Yoga-Kurs zum Beispiel, da geht es ja ganz viel um Lebensphilosophie. Aber das sind ja immer nur so Bröckchen, die ich da reinwerfen kann.

Dann fehlt ja oft das Gesamtbild für das große Ganze. Und wenn man nur so Bröckchen reinwirft, dann kommen natürlich auch immer viele Fragezeichen auf bei meinen Teilnehmern. Und ich merke, bei manchen ist auch so dieser Austauschbedarf da, den ich dann gar nicht abdecken kann in dem Moment.

Ich glaube, vielleicht führt der Weg mich erstmal über meinen Blog. Ich denke auch groß. Und ich fühle schon sehr weit, irgendwann mal zum Speaker-Dasein und vielleicht auch mal Einzelcoachings, weil ich sehe, der Bedarf ist da ganz groß.

Schaffst du es, Job, Familie und das Hinarbeiten auf diese großen Ziele unter einen Hut zu bringen?

Ich schaffe das. Und ich glaube, viele andere können das auch schaffen. Also erstens, die Leidenschaft muss einfach da sein. Man muss wirklich dafür brennen für das, was man macht. Dann ist die Energie da. Und wenn sie mal kurzzeitig abfällt, und das tut sie immer wieder, kommt sie aber auch zurück, weil man einfach weiß, wofür man es tut. Das ist das eine, die Leidenschaft. Die darf da sein. Die muss da sein. Das darf brennen.

Dann sage ich immer gerne, die Liebe. Leidenschaft und Liebe für das, was Du tust. Do what you love. And love what you do. Und wenn das gegeben ist, dann läuft das. Dann sind noch zwei andere Sachen ganz wichtig.

Stina Hauser: Grafik Geduld, Glaube, Vertrauen

Geduld, das ist so ein Thema, wo ich auch sehe, das fiel mir selber schwer. Und es gibt immer wieder Punkte, wo mir das auch schwerfällt, aber es ist so des Rätsels Lösung. Meine Oma hat immer gesagt: „Gut Ding braucht Weil.“ Und ich war da jugendlich, Kind und jugendlich, wo sie das immer wieder gesagt hat. Und damit konnte ich damals gar nicht so viel anfangen. Aber jetzt, heute verstehe ich, was sie eigentlich damit gemeint hat.

Und es ist tatsächlich so. Wenn man was schöpfen möchte, was erreichen möchte, kreativ was in dieser Welt bewirken möchte, dann, das geht nicht von heute auf morgen. Das braucht einfach Zeit. Und man muss sich unglaublich viel mit sich selbst auseinandersetzen, den Dingen, die in einem sind, Raum geben können, dass sie wachsen können, dass sie irgendwann den Weg nach draußen finden. Das braucht Zeit. Und deswegen brauchen wir dafür Geduld und Glaube und Vertrauen.

Also das ist etwas, wenn ich auch auf mein Leben zurückschaue, Dinge, die ich mir in den Kopf gesetzt habe, die ich machen wollte, die habe ich immer gemacht, weil ich diesen Glauben an mich habe, und weil ich ein unglaubliches Vertrauen habe in mich selber, in das, was ich kann, aber auch ein unglaubliches Vertrauen, heutzutage sage ich das, ich vertraue in Gott. Das ist ja so ein Begriff, kann man definieren, wie man möchte.

Vor vielen Jahren konnte ich damit selber gar nichts anfangen. Inzwischen habe ich aber so meine Definition von Gott gefunden. Und es ist einfach eine höhere Macht. Das ist einfach ein Vertrauen in das Leben selbst. Das ist so ein Urvertrauen, dass Dinge sich entwickeln und ergeben. und die Dinge dann kommen zum richtigen Zeitpunkt, wenn sie da sein sollen.

Das finde ich so, so wertvoll, wenn man dieses Vertrauen hat, dann darf es auch mal einknicken. Dann darf man auch mal ein Low-Level sein und dann ein paar Tage drin hängen.

Gab es bei Dir schon Situationen, in denen Du mit Deiner Selbstständigkeit gehadert hast?

Also zum einen: Es gibt immer wieder Momente, wo ich das Gefühl habe, dass mir die Energie gerade nach außen flöten geht. Deswegen mache ich selber unglaublich viel Yoga, aber nicht in der Form, dass ich jeden Tag wirklich zwei Stunden irgendwie meine Matte ausrolle und da intensiv körperliches Yoga mache, sondern ich meditiere viel. Ich nehme mir viel Zeit für Stille, einfach für einen Moment der Stille, wo sich das alles setzen kann.

Das finde ich, ist mit das Wichtigste, wenn man vorwärts kommen will, dass man sich kleine Ruhepausen nimmt, immer wieder. Da gibt es so einen schönen Satz: „Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.“ Und das vergessen auch ganz viele, weil immer in diesen Momenten der Ruhe, in diesen Pausen, da passiert am meisten. Da entwickelt sich das alles.

Genau, das ist das eine. Also wirklich sich selber auch diesen Raum für sich zu nehmen, damit das wachsen kann.

Und ja, ich hatte solche Momente natürlich. Es ist eine Herausforderung, Existenzgründer zu sein. Das ist was anderes, wenn man vielleicht irgendwo eine Firma übernimmt, die bereits läuft, die bereits steht, die man bereits kennt, wo bereits Kundschaft da ist, oder ob man von Null auf startet und das ohne Background, ohne Rückhalt, sowohl finanziell als auch irgendwie durch Unterstützung für meine Tochter.

Die Momente gab es immer wieder. Ich kann jetzt nicht genau sagen, es war zu dem oder zu dem Zeitpunkt, aber ich weiß, es gab die Momente immer wieder, wo ich kurz davor war zu sagen: „Eh, Scheiße, ich schmeiß den ganzen Kram hin. Das ist zu viel für mich. Ich schaffe das nicht. Das kostet viel Kraft. Das kostet viel Energie. Da steckt so viel dahinter.“

Und dann natürlich auch die eigenen Erwartungen, weil man möchte ja für die Kunden da sein, man möchte das voranbringen. Und auf der anderen Seite ist da noch meine Tochter. Für die möchte ich auch da sein und auch genug Zeit und Raum haben und nicht völlig k.o. Zeit mit ihr verbringen.

Und dann bin ja dann auch noch ich, und brauche auch den Raum für mich. Ja, die Momente gab es. Und sie werden etwas weniger oder, ich würde sagen, sie werden weniger katastrophal.

Was man macht, wenn man sich selbständig macht, ist eine unglaubliche Persönlichkeitsentwicklung. Und das ist toll. Allein dafür bin ich dankbar. Und allein das ist ein Gewinn.

Wie gehst Du mit Rückschlägen um? Wie holst Du Dich aus einem Loch wieder raus?

Wie habe ich mich da wieder rausgeholt? Darauf wollte ich hinaus, zum Thema Menschsein. Also zum einen darf man da ruhig mal drin sein und einfach mal leiden und einfach mal jammern und sagen: „So ein Scheiß, dass das alles zu viel ist. Wächst mir gerade über den Kopf.“

Ich habe dann wirklich die Momente, wo ich weine, wo ich viel weinen muss und das aber auch rauslasse und das auch annehmen kann, dass das so ist. Und wo ich auch einfach mal fluche und sage: „Alles ist grad Scheiße. Und ich habe grad keine Lust mehr. Und es wächst mir über den Kopf. Und ich weiß gar nicht, wie soll es übermorgen weitergehen. Wie soll ich heute Abend jetzt mit mit diesen Emotionen den Kurs oder die Kurse leiten, dabei möglichst das bei mir lassen und dann nicht nach außen tragen?“

Das gibt es. Und ich finde, es ist wichtig, dass man da für einen kurzen Moment sich selber auch drin sein lässt. Also wenn man grade das Gefühl hat, ich bin traurig. Und ich möchte einfach weinen, finde ich es wichtig, dass man das rauslässt. Und wenn man grad denkt, wah, dann raus damit, wirklich. Das, finde ich, ist mal das Erste, um das verarbeiten zu können, jedenfalls für mich immer ein guter Weg.

Dann ist das aber auch nur eine kurze Weile. Das ist nur mal ein paar Stunden. Es ist vielleicht mal ein paar Tage. Und dann kommt man dann aber auch wieder raus, einfach so.

Also Du sagst im Endeffekt, man muss es einfach zulassen? Und dann zieht es von alleine vorbei?

Stina Hauser: "Rückschläge sind nichts Negatives"

Richtig. Genau. Meine Erfahrung ist: Wenn ich so einen Tiefpunkt nicht bekämpfe, sondern ihn einfach mal aushalte und da sein lasse, dann kostet mich das erstens weniger Energie. Und zweitens weiß ich, meine Erfahrung zeigt mir das, kommt danach immer, immer wieder auch ein Hoch. Das heißt, ich kann da eigentlich schon relativ gelassen mit diesem Tiefpunkt umgehen für den Moment, weil ich weiß, okay irgendwas wartet dann jetzt gerade darauf, übermorgen zu explodieren.

Dann ist mir auch wichtig, dazu zu sagen, dass ein Rückschlag auch nichts Negatives ist. Ich finde, man kann ja auch sagen “Rücktritt”. Und das machen wir ja manchmal auch, wenn wir zum Beispiel in der Natur sind oder, keine Ahnung, wir haben unseren Schreibtisch voller Sachen. Wir treten ja auch manchmal einfach zurück, um einen besseren Überblick zu haben über die Dinge.

Das ist eigentlich nichts anderes, bin ich der Meinung. Jeder Rückschlag, Rücktritt oder jedes Tief, oder wie auch immer man das nennen möchte, ist eigentlich nur eine Einladung, Dich selbst ein Stück weiter zurückzunehmen und mal von weiter außen zu betrachten, einen besseren Überblick zu bekommen. Was ist denn da jetzt eigentlich gerade los? Was ist da? Was steht da an? Und so selber aus diesem tiefen Wald, wo du irgendwie vor lauter Dunkelheit grad gar nicht mehr siehst, dich selbst so rauszunehmen, auch aus den Gefühlen, und das Ganze mit mehr Abstand zu betrachten.

Das ist großartig, dass das so ist. Und ich glaube, genau deswegen brauchen wir das auch. Und wichtig ist einfach, das nicht als Scheitern oder als was Negatives zu sehen, sondern eher als: Das ist genauso wichtig wie das, da oben zu sein.

Stell Dir mal vor, Du würdest Dich selbst während der Gründungsphase treffen. Was würdest Du Dir sagen?

Huh, das ist eine gute Frage. Was würde ich mir sagen?

Das Wichtigste, was Du brauchst, ist Mut, und zwar nicht in Form von, dass Du jetzt keine Angst haben sollst, weil die ist da. Die war da. Und die ist immer noch, immer wieder mal, wenn ich Entscheidungen treffe, da.

Aber wenn Deine Leidenschaft und Deine innere Stimme Dir sagen, dass es richtig ist, dann ist es auch richtig. Und dann mach es trotzdem. Mach einfach. Ja. Stina mach einfach und bleib dran. Geh deinen Weg. Du machst das. Du machst das schon.

Danke für das Interview, Stina!

Hat Dir, liebe:r Leser:in, das Interview gefallen? Dann lass Stina und mir gern einen Kommentar da! 🙂

Oder hör/lies noch mehr Mutmach-Interviews – zum Beispiel mit Sketchnoterin Susanne Speer oder Katzenpsychologin Tatjana Mennig.

Jane Schmidt

Jane Schmidt

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