Ich liebe ungewöhnliche, seltene Wörter! Das sollte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein – schließlich stelle ich jeden Montag ein solches Wort auf Facebook und Instagram vor. Was mich aber im vergangenen Jahr zugegebenermaßen überrascht hat: Ich bin nicht allein mit diesem Spleen!

Meine Goldwörter sind oft die Posts, auf die die meisten Menschen reagieren. In den Kommentaren werden Assoziationen und persönliche Lieblingswörter ausgetauscht. Und ich weiß von Follower*innen, die regelmäßig nur deshalb auf meinen Blog kommen, um die Monatszusammenfassungen zu lesen. Was liegt da näher, als ein Goldwort des Jahres wählen zu lassen?

Also habe ich die Wörter herausgesucht, die 2019 in den sozialen Medien die größte Resonanz erzeugt haben. Diese ließ ich im Dezember auf Facebook immer wieder gegeneinander antreten, bis ein Sieger feststand. Starten wir den Countdown:

Platz 3: tüchtig und Sperenzchen

Über Platz 3 ist nicht explizit abgestimmt worden. Deshalb entscheide ich kraft meiner Nudelsuppe, dass sich die beiden Verlierer des Halbfinales diesen Rang teilen 😉

tüchtig

tüchtig

Das Wort „tüchtig“ ist in meinem Kopf ganz eng mit meiner Uroma verknüpft. Denn die sagte beim Backen immer: „Jetzt musst Du tüchtig rühren!“ 👩‍🍳 Noch heute assoziiere ich das Wort mit Liebe und Geborgenheit.

Dieses kleine Beispiel zeigt für mich sehr deutlich, dass es für manche Wörter zwei Bedeutungen gibt: eine rationale, die im Wörterbuch nachzuschlagen ist und eine emotionale, die sich aus unseren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen speist. Welche Wörter lösen bei Dir ein Gefühl aus? Verrat es mir in den Kommentaren!

Sperenzchen

Sperenzchen

„Jetzt hör doch auf mit den Sperenzchen!“, wollte ich im Sommer manchmal meiner Tochter sagen, wenn sie sich wieder mit Händen und Füßen gegen die Sonnencreme wehrte. 😩

Das Wort stammt aus dem 18. Jahrhundert. Eine schlechte Zeit für Sperenzchen – denn wer eine Sache (zum Beispiel die Französische Revolution 😉) behinderte, landete schnell unter der Guillotine. Das hat meine Tochter bei mir nicht zu befürchten.

Ursprünglich bedeutete das latainische „sperantia“ „Hoffnung“. Wie man dann von Hoffnung zu Schwierigkeiten gekommen ist? Tja, das ist eine ausgezeichnete Frage. Vielleicht weil man eine Sache stört, in der Hoffnung sie zu verhindern? Wir werden es wahrscheinlich nie sicher wissen.

Platz 2: schnurpsen

schnurpsen

Das war knapp! In der finalen Abstimmungsrunde unterlag das schöne lautmalerische Verb „schnurpsen“ mit 45 Prozent zu 55 Prozent.

Das Wort bezieht sich auf das krachende Geräusch, das entsteht, wenn man feste Lebensmittel kaut. Wenn wir zum Beispiel Äpfel, Möhren oder Nüsse essen, schnurpst es.

Was die Herkunft des Wortes angeht, muss ich ehrlich gesagt passen. Weder das Internet noch meine schlauen Bücher spucken mir brauchbare Informationen aus. Klar ist aber, dass „schnurpsen“ vor allem in Sachsen und Thüringen gebraucht wird. Leider ist es auch dort vom Aussterben bedroht. Also lass es uns gemeinsam wiederbeleben!

Übrigens gibt es auch noch das Adjektiv „schnurpslich“. Das bedeutet so viel wie köstlich. Schließlich schnurpst es besonders oft, wenn wir voller Wonne herzhaft zubeißen – und das tun wir, wenn uns etwas ausgezeichnet schmeckt.

Goldwort des Jahres: Koryphäe

Koryphäe

Tätärätäää! Das Goldwort des Jahres 2019 ist „Koryphäe“! Ehrlich gesagt überrascht mich das. Es waren so viele traumhafte Wörter dabei und ich hätte lieber „schnurpsen“, „Troglodyt“ oder „imponderabel“ als Sieger gesehen. Aber so ist das bei Abstimmungen: Man kann überstimmt werden 🙂

Koryphähe nennt man jemanden, der auf einem bestimmten Gebiet außergewöhnliche Kenntnisse oder Fertigkeiten besitzt. Genau das scheint das Wort auch so beliebt zu machen. Mehrmals bekam ich im vergangenen Jahr den Kommentar zu lesen, dass nicht nur das Wort aussterbe, sondern auch die bezeichneten Personen. Offenbar wird es als immer schwieriger empfunden, jemanden zu finden, der wirklich etwas von seinem Fach versteht statt einfach nur großkotzig daherzuschwätzen.

Ich könnte da glatt philosophisch werden und behaupten: Das Wort „Koryphäe“ ist mit seiner Entwicklung ein Spiegel für ein gesellschaftliches Phänomen. Auf der anderen Seite habe ich diese These noch nicht ausreichend durchdacht. Also rege ich den Gedanken einfach mal an, lege meine Meinung dazu aber selbst noch nicht fest. 😉

Zurück zu unserem Goldwort des Jahres: „Koryphäe“ hat einen Siegeszug durch mehrere Sprachen hinter sich. Das lateinische „coryphaeus“ bedeutete „Leiter“ oder „Oberhaupt“. Auch im griechischen war „koryphaĩos“ ein „Anführer“ oder auch „Chorführer“. Im französischen wurde dann „coryphée“ daraus – in der Bedeutung „der berühmteste seines Faches“. Von dort aus war der Weg nach Deutschland kurz.

Heute ist „Koryphäe“ wieder auf dem absteigenden Ast. Aber vielleicht können wir es noch retten, indem wir es einfach bei jeder passenden Gelegenheit verwenden. Machst Du mit?

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