Jeden Montag stelle ich auf meiner Facebook-Seite ein altes oder nur in bestimmten Regionen gebräuchliches Wort vor. So möchte ich dazu beitragen, fast vergessene und wenig bekannte Wörter vor dem Aussterben zu retten 😉 Die deutsche Sprache ist so vielfältig und das sollte so bleiben!

Ab sofort sammele ich alle Goldwörter eines Monats auch hier im Textdorado-Blog. Sroll durch, lass Dich inspirieren und erfreue Dich an den Geschichten dazu – manche Wörter haben nämlich echt spannende oder ulkige Wege bis zu ihrer heutigen Bedeutung hinter sich.

Goldwort vom 02. September 2019: kontemplieren

kontemplieren

Wer tief in Gedanken versunken ist und Probleme so intensiv wälzt, dass er die Umwelt nur noch am Rande mitbekommt, der kontempliert. „Kontemplieren“ ist eins meiner absoluten Lieblingswörter. Musik in meinen Ohren! 😍

Das Wort kommt vom lateinischen „contemplari“, was so viel wie „beschauen“ oder „sein Augenmerk auf etwas richten“ bedeutet. Spannend ist insbesondere der letzte Bestandteil des Wortes. Der kommt nämlich von „templum“, ein Fachbegriff der römischen Auguren. Ihre Aufgabe bestand darin, den Willen der Götter an der Art zu deuten, wie Vögel über einen bestimmten Bereich des Himmels flogen. Das ist mit Sicherheit einer der fragwürdigsten Berufe, von denen ich je gehört habe. 🙄

Naja, jedenfalls war das Templum die Beobachtungshütte, in der diese Menschen (eigentlich würde ich persönlich lieber Quacksalber sagen, aber wer weiß, wessen religiöse Gefühle das verletzen würde … Sorry!) saßen. Die Geschichte des Wortes „kontemplieren“ hat noch viele Zwischenschritte, aber Deine Zeit ist sicher genauso rar wie meine, also kürze ich ab. 😉

Seit dem 18. Jahrhundert wird „kontemplieren“ in der deutschen Sprache genutzt – und zwar vor allem dann, wenn sich jemand in religiöse oder philosophische Inhalte vertieft, versunken die Natur oder ein Kunstwerk betrachtet oder intensiv über ein schwerwiegendes Phänomen nachgrübelt.

Wenn Dich also das nächste Mal jemand fragt: „Wo bist Du nur mit Deinen Gedanken?“ kannst Du antworten: „Ich kontempliere!“ Oder – auch schön – „Ich gebe mich der Kontemplation hin“. Diese Sätze sollte man viel öfter sagen, wirklich!

Goldwort vom 09. September 2019: Kopist

Kopist

Ein Kopist ist jemand, der etwas kopiert. Ursprünglich – im Mittelalter – waren Kopisten vor allem in Klöstern tätig und schrieben dort Bücher ab. Mit der Erfindung des Buchdrucks starb der Beruf fast völlig aus.

Heute gibt es nur noch Kopisten für Musik. Sie verstehen, wie Takte und Noten auf einer Seite angeordnet werden müssen, damit die Musiker sie möglichst gut lesen können. Das kommt besonders dann zum Tragen, wenn ein Werk für computerbasierte Notensatzprogramme zu komplex ist.

Im Unternehmenszusammenhang kannst Du das Wort wunderbar nutzen, wenn jemand gegen Dein Urheberrecht verstößt. „Du elender Kopist!“, rufst Du dann und forderst den Übeltäter mit Deinem Degen zum Duell. Okay, wahrscheinlich verständigst Du besser einen Anwalt. Aber die erste Variante wäre deutlich stimmungsvoller, das musst Du zugeben. 😉

Goldwort vom 16. September 2019: abgefeimt

abgefeimt

Jemand, der abgefeimt ist, ist sehr gerissen und kennt die richtig üblen Tricks. Passenderweise habe ich das Wort bei der Lektüre von Sherlock Holmes gefunden. 😄🕵️‍♀️

Die Suche nach der Herkunft des Wortes gestaltete sich schwierig. Offenbar tauchte es in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erstmals auf und gehörte bis ca. 1700 in die Allgemeinsprache. Da Sherlock Holmes aber erst 1886 in die Welt trat und „abgefeimt“ in der Übersetzung vorkommt, muss es auch später noch verwendet worden sein.

Ursprünglich bedeutete das Verb „abfeimen“, Schaum (Feim) von einer Flüssigkeit abzuschöpfen und sie so zu reinigen. Was das jetzt aber mit tückischen, verschlagenen Schurken zu tun hat … Tja. Hast Du eine Idee, wie man von Schaum abschöpfen auf Gerissenheit kommt? Dann verrat sie mir am Ende dieses Artikels in den Kommentaren!

Goldwort vom 23. September 2019: Brimborium

Brimborium

„Brimborium“ hat einen langen Weg hinter sich gebracht, bis es in die deutsche Sprache Einzug fand. Aus dem kirchenlateinischen „breviarium“ für „Sammlung von katholischen Stundengebeten“ wurde das mittelfranzösische Wort „Brevier“. Es bedeutete „Zauberformel“ beziehungsweise „Zaubergebet“. 🧙‍♂️🧙‍♀️✨ Daraus wiederum entwickelte sich das französische Wort „brimborion“ für „Hokuspokus“ und „Lappalie“.

Das klauten sich dann im 18. Jahrhundert die Deutschen – und natürlich sprachen sie es deutsch aus. 😉

Heute ist die Rede von einem Brimborium, wenn man unnötig Aufhebens um etwas macht. Meine Tochter zum Beispiel rastet gerne mal aus, wenn ich mich erdreiste, ihr saubere Klamotten anziehen zu wollen. So ein Brimborium!

Goldwort vom 30. September 2019: klamüsern

In Norddeutschland steht das Wort „klamüsern“ für „einer Sache nachsinnen, sie genau studieren“ – jedenfalls dem Duden zufolge. Ich kenne das Wort auch aus meiner Kindheit. Meine aus Thüringen stammende Oma meinte mit „Du klamüserst ganz schön rum!“ aber, dass ich für etwas übermäßig lange brauchte.

Wird klamüsern auch in Deiner Region gebraucht? Falls ja, was bedeutet es dort? Erzähl es mir in den Kommentaren! Dort kannst Du mich sehr gern auch auf weitere schöne Wörter hinweisen, die ich mal vorstellen soll. 🙂

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