Jeden Montag stelle ich auf meiner Facebook-Seite seltene oder nur regional gebräuchliche Wörter vor. Wörter, die kaum jemand kennt und die deshalb Gefahr laufen, früher oder später auszusterben. Und manchmal auch Wörter, die einfach ganz besonders schön sind! Im Oktober 2019 waren das folgende:

Kamellen

Alte Kamellen

„Ach“, sagt meine Oma zu meinem Opa. „Du immer mit Deinen ollen Kamellen!“ Olle Kamellen, denke ich … Und mal wieder ist die Neugier geweckt, woher ein Ausdruck eigentlich kommt. 🤔

Als „olle Kamellen“ bezeichnet man etwas, das schon lange bekannt ist. Auch eine alte Geschichte, die immer und immer wieder erzählt wird und keine neuen Informationen mehr beinhaltet, ist eine Kamelle. Das Wort kommt aus dem Niederdeutschen und leitet sich von „Kamille“ ab.

Schon damals waren Kamillenblüten für ihre Heilkräfte bekannt. Allerdings verfliegt sämtliche Wirkung, wenn die Kamille zu lange gelagert wird. So unnütz gewordene Blüten nannten Apother Kamellen – und sortierten sie aus. 👨‍⚕️🤧

zu Potte kommen

zu Potte kommen

„Zu Potte kommen“ hat eine ganze Menge Synonyme: auskäsen, aus dem Knick kommen, aus dem Quark kommen, in die Puschen kommen, ausmären und einige mehr. Alle diese Umschreibungen für „Beeil Dich!“ sind einen näheren Blick wert, aber fangen wir mal mit „zu Potte kommen“ an.

„Pott“ ist das umgangssprachliche Wort für „Topf“ – oder auch „Nachttopf“. Vielleicht ahnst Du jetzt schon, worauf ich hinaus will. Ja: Wer zu Potte gekommen ist, hat erfolgreich seine Notdurft verrichtet.

Der Ausdruck kommt aus dem Niederdeutschen und bezieht sich auf kranke Menschen. Denn bei denen ist manchmal die Verdauung eingeschränkt. Und wenn sie endlich wieder zu Potte kommen, ist das Schlimmste überstanden. 💩

Firlefanz

Firlefanz

Das Wort „Firlefanz“ mag ich sehr gern, denn der Klang passt genau zur Bedeutung. Oder meinst Du nicht? Es bezeichnet überflüssiges oder wertloses Zeug auf der einen und Unsinn/Albernheiten auf der anderen Seite. Seine Wurzeln reichen bis ins 14. Jahrhundert.

Am Anfang stand das altfranzösische Wörtchen „virelai“ für „Ringellied“. Die Deutschen machten im Mittelalter erst „firelei“ daraus, dann „firlefei“ und schließlich „Firlefanz“. Zunächst war damit ein verrückter Hüpftanz gemeint, dann schlich sich nach und nach die heutige Bedeutung ein und verdrängte die alte.

Die originalen Firlefänze hätte ich ja wirklich gern gesehen! Du auch?

kujonieren

kujonieren

Der Anlass, mich selbstständig zu machen, war, dass ich mich in meinem alten Job kujoniert gefühlt habe. Ich war schanger – und das ohne vorher die Erlaubnis meiner Chefin eingeholt zu haben. Ist das zu fassen? Das geht natürlich nicht und entsprechend hat sie mich systematisch tyrannisiert, bedrängt, schikaniert, eben: kujoniert.

Das Wort kommt vom französischen „coïonner“. Das bedeutete „jemanden einen Feigling nennen, foppen, verhöhnen“. Das wiederum leitete sich vom lateinischen „coleus“ ab – für Hoden. Offenbar wurden also Geschlechtsteile schon im 16. Jahrhundert gern als Schimpfwörter gebraucht.

Ein paar deftige Schimpfwörter hätte ich meiner Chefin damals auch gern an den Kopf geworfen. Stattdessen habe ich monatelang durchgehalten und versucht, auf friedliche Weise meine Frau zu stehen. Doch der Druck nahm immer weiter zu. Gegen Ende meiner Schwangerschaft wurden die Aktionen gegen mich so heftig, dass ich fast jeden Abend zu Hause Rotz und Wasser heulte und morgens nicht mehr aufstehen wollte. Zwei Wochen vor dem Mutterschutz habe ich mir selbst erlaubt, das zu beenden. Ich habe meine Stelle früher verlassen als geplant und für mich stand in diesem Moment fest: Hierher kehre ich niemals zurück.

Schon vorher hatte ich darüber nachgedacht, etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Aus diversen Gründen, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. Wenn es Dich interessiert, erfährst Du mehr auf meiner Über-mich-Seite. Ich hatte aber jedenfalls nie ernst gemacht. Meine grauenhafte, kujonierende Chefin war der Auslöser – und so hatte die ganze Schikane letztlich doch ihr Gutes. So wie alles im Leben etwas Gutes hat, auch wenn man es im ersten Moment vielleicht nicht sieht 🙂

Was hat bei Dir den Ausschlag gegeben, Dich selbstständig zu machen? Was hat dazu geführt, dass Du Dich getraut hast? Erzähl mir in den Kommentaren davon! Dort kannst Du mich sehr gern auch auf weitere schöne Wörter hinweisen, die ich hier mal vorstellen könnte. Ich freue mich drauf!

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