Der März 2020 war ein besonderer Monat. Um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Immer mehr Corona-Erkrankungen, abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Kitas, existenzielle Sorgen bei so unheimlich vielen Menschen, Ausgehbeschränkungen … Nicht zu wissen, wann und wie es weitergeht, hat ganz schön an meinen Nerven gezerrt.

Umso besser hat es mir getan, schöne Routinen aufrecht zu erhalten – wie zum Beispiel das Vorstellen alter und seltener Wörter auf meinen Social-Media-Kanälen. Hier kommen sie also: die Goldwörter aus dem März:

Lappalie

Lappalie Bedeutung Herkunft

Vielen Wörtern kann man ja beim besten Willen nicht mehr anhören, warum sie so heißen wie sie heißen. Meistens liegt das entweder daran, dass sie aus anderen Sprachen entlehnt wurden, die wir nicht sprechen, oder daran, dass der Wortstamm früher einmal geläufig war, heute aber in Vergessenheit geraten ist.

Bei „Lappalie“ ist das anders. Das Wort wurde im 17. Jahrhundert von Studenten erfunden. Und das „Lapp“ steht für nichts anderes als Lappen (im Sinne von Lumpen)!

Ursprünglich war der Begriff eine spöttische Nachbildung des Wortes „Personalie“. Heute bezeichnet er nicht nur unbedeutende Personalentscheidungen, sondern nichtige Kleinigkeiten im Allgemeinen.

Letztlich hat „Lappalie“ seine Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte also ein wenig erweitert. Ansonsten ist es aber gleich geblieben. So etwas begegnet mir bei meinen Recherchen wirklich selten.

Schlafittchen

Schlafittchen Bedeutung Herkunft

Wenn Du häufiger im Ruhrgebiet unterwegs bist, kennst Du sicher den Ausdruck: „Den habe ich beim Schlafittchen gepackt!“

Er bedeutet so viel wie: „Den habe ich am Weglaufen gehindert“ oder auch „Den habe ich mir mal ordentlich zur Brust genommen!“

Das Schlafittchen stammt aus dem Niederdeutschen und leitet sich von dem Wort „Schlagfittig“ ab. Das wiederum ist der Flügelansatz von Gänsen. Wer eine Gans hochheben will, tut das am besten an genau dieser Stelle. Denn so kann der Vogel sich weder wehren noch davonfliegen.

Später wurden auch Ärmelzipfel und Hemdkragen Schlafittchen genannt – weil man zum Beispiel ein fliehendes Kind, das etwas angestellt hatte, gut daran packen konnte.

Wenn mein Kind künftig vor mir davonrennt, werde ich von nun bestimmt immer an Gänse denken müssen. Und Du?

schmökern

schmökern Bedeutung Herkunft

Ich liebe diese Abende, an denen ich es mir mit einer Tasse Tee und einem Buch auf dem Sofa gemütlich mache. Einfach ganz in Ruhe in einem guten Roman schmökern – für mich gibt es kaum etwas Schöneres.

Aber Moment … Schmökern. Was ist das eigentlich für ein Wort?

Seinen Ursprung hat das Verb im 18. Jahrhundert. Es leitet sich vom Substantiv „Schmöker“, auch „Schmaucher“ genannt, ab. Hierbei handelt es sich wiederum um eine von Studenten geprägte umgangssprachliche Bezeichnung für ein altes, minderwertiges Buch.

Wenn ein Student einem Buch rein gar nichts abgewinnen konnte, benutzte er es zum Schmauchen. Das heißt, er riss sich einen „Fidibus“ – also einen Papierstreifen – heraus und steckte sich davon eine Pfeife an.

Ein schlechtes Buch war in seinen Augen also buchstäblich zum In-der-Pfeife-rauchen! 😉

Obwohl ich die Geschichte sehr spannend finde, fröstelt es mich als Büchernärrin doch bei dem Gedanken, Literatur jeglicher Art zu zerfleddern. Ein Glück, dass sich die Bedeutung des Wortes „schmökern“ bis heute abgeschwächt hat.

Tohuwabohu

Tohuwabohu Bedeutung Herkunft

Wenn das mal nicht ein auffälliges Goldwort ist! Eins, dessen Klang perfekt zur Bedeutung passt: Tohuwabohu bezeichnet „völliges Durcheinander“ beziehungsweise „Wirwarr“ oder „Chaos“.⁣

Heute wird es in der Regel nur noch verwendet, um Kleinigkeiten wie etwa das unordentliche Kinderzimmer anzuprangern: „Was herrscht denn hier für ein Tohuwabohu?!“

Früher hatte das Wort dagegen deutlich mehr Rumms! Im Hebräischen bezeichnete Tohuwabohu nämlich das „unvorstellbare Chaos am Beginn der Zeit“, das später von Gott geordnet wurde. ⁣Nicht umsonst findet es sich daher direkt am Anfang der Bibel, zu Beginn des 1. Buch Mose.⁣

Hättest Du gedacht, dass hinter diesem ulkigen Goldwort eine so große Geschichte steckt?⁣

Schindluder

Schindluder Bedeutung Herkunft

Sicher kennst Du die Redewendung „mit jemandem Schindluder treiben“.
Bei meiner Recherche bin ich auf einen ungewohnt düsteren Ursprung gestoßen:

Das Verb „schinden“ stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutete ursprünglich so viel wie „schälen“ oder „die Haut abziehen“. Der Beruf des Schinders bestand im Mittelalter entsprechend darin, die Haut toter Tiere abzuziehen, um diese im Anschluss verwerten zu können.

„Luder“ bezeichnet das Fleisch der toten Tiere. Häufig wurde es bei Jagden als Lockmittel verwendet.

Die Redewendung „mit jemandem Schindluder treiben“ bedeutet also nichts anderes, als jemanden zu behandeln, als ob er bereits ein totes Tier sei.

Über welche Wörter möchtest Du mehr erfahren? Verrate es mir in den Kommentaren!

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