Wie jeden Monat habe ich auch im Januar 2020 jeden Montag ein seltenes, altes oder regionales Wort auf meinem Facebook– und Instagram-Kanal vorgestellt. Eins hat mich diesmal besonders überrascht. Seine Herkunftsgeschichte ist so ganz anders als ich erwartet hätte. Aber lies selbst:

diffizil

Bedeutung diffizil

Wenn etwas diffizil ist, ist es kompliziert und erfordert außerordentliche Genauigkeit. Es ist ein richtiges Gefriemel, wie wir in Sachsen sagen würden. 😉

Aber nicht nur Dinge und Aufgaben können diffizil sein, sondern auch Personen. Bei denen weiß man nicht so recht, wie man mit ihnen umgehen soll, weil sie einen schwierigen Charakter haben. Erinnerst Du Dich zum Beispiel an die Oma in der Serie „Die Dinos“? Die liegt auf der Diffizilitätsskala schon ziemlich weit oben.

Die Herkunftsgeschichte von „diffizil“ ist leider ziemlich langweilig. Schon das lateinische „difficilis“ bedeutete „schwierig“. Erst zog das Wort ins Französische ein, dann ins Deutsche. Tja … Es kann halt nicht jedes schöne Wort auch eine schöne Geschichte haben.

Aaaaber: Zum Ausgleich habe ich ein zauberhaftes Synonym ausgegraben: knauplig. Ist das nicht herrlich?

exaltiert

Bedeutung exaltiert

Er war Superstar,
er war populär,
er war so exaltiert
because er hatte Flair

sang Falco in „Rock me Amadeus“. Als kleines Mädchen dachte ich über die Zeilen nicht nach. Doch irgendwann – nach Jahren – fragte ich mich plötzlich: „Moment … Exa-WAS?“

Zum Glück konnte meine Familie mich aufklären. Aber außerhalb dieses Liedes habe ich das Wort seitdem nie wieder gehört oder gelesen. Es hat eine Wiederbelebung also bitter nötig!

„Exaltiert“ kommt vom französischen „exalter“ für „begeistern“. Heute hat es im Deutschen zwei Bedeutungen:

Zum einen bezeichnet es ein künstlich aufgeregtes, hysterisches Verhalten. Wenn jemand völlig übertreibt oder überzogen auf etwas reagiert, ist er exaltiert.

Zum anderen ist „exaltiert“ ein Synonym zu „übersteigert“, „exzentrisch“ und „extravagant“. Auf den von Falco besungenen Mozart trifft wohl eher diese zweite Bedeutung zu.

Eskapade

Bedeutung Eskapade

„Eskapade“, las ich in einem Buch und dachte: „Schönes Wort! Lange nicht mehr gehört. Auf jeden Fall ein Goldwort-Kandidat.“ Ich begann zu recherchieren, woher das Wort kommt – völlig unbefangen und ohne bestimmte Erwartungen. Und dann stieß ich auf eine Überraschung.

Aber beginnen wir von vorn: Eine Eskapade ist laut Duden eine abenteuerlich-eigenwillige Unternehmung. Beispiel: „Seine ständigen Eskapaden erzürnten sie sehr“ oder „Er ist für seine politischen Eskapaden bekannt“.

Das Wort kommt vom italienischen „scappata“ oder dem spanischen „escapada“, was so viel wie „entwischen“ oder „unbesonnene Handlung“ bedeutet. Daraus wurde im Französischen zunächst „escapade“. Im 18. Jahrhundert wurde das Wort ins Deutsche entlehnt.

Was mich überrascht hat: „Eskapade“ hat noch eine zweite Bedeutung. Im Dressurreiten versteht man darunter einen falschen Sprung des Pferdes. Quasi einen Seitensprung. Na, fallen die Puzzleteilchen in Deinem Kopf gerade genauso an ihren Platz wie bei mir? 🙂

Ich liebe es, wie in der Sprache alles miteinander verwoben ist. Wörter machen sich über die Zeit hinweg selbstständig und nehmen eine neue Bedeutung an. Diesem Prozess wohnt eine ganze eigene Form von Magie inne! Und nach ein paar Jahrhunderten weiß niemand mehr, dass es jemals eine andere Bedeutung gegeben hat. Oder denkst Du beim Wort „Seitensprung“ zuerst an Pferde?

desolat

Bedeutung desolat

Wow, viel desolater als „desolat“ kann ein Adjektiv wohl kaum sein. Da bekomme ich fast schon vom reinen Lesen schlechte Laune. Auf der anderen Seite ist das Wort an sich – ohne seine Bedeutung betrachtet – wunderschön. Fühl mal nach, wie geschmeidig es beim Aussprechen durch den Mund gleitet – wie zartschmelzendes Nougat.

„Desolat“ leitet sich von dem lateinischen Wort „desolatus“ ab, was so viel wie „vereinsamt“ oder „verlassen“ heißt. Der Rest erschließt sich von selbst: Wer einsam und verlassen ist, fühlt sich eben wahrscheinlich auch miserabel. Er ist in einer desolaten Lage.

Anderes Beispiel: „Nach einer haushohen Niederlage muss sich die Mannschaft mit dem desolaten letzten Tabellenplatz zufriedengeben.“

Okay, auch wenn ich das Wort klanglich toll finde, muss ich letztlich doch zugeben, dass es vor negativer Energie nur so strotzt. Vielleicht ist das der Grund, dass es heute kaum noch verwendet wird?

Bonus: Miesepeter

Wortherkunft Miesepeter

Am 29. Januar war Welt-Miesepeter-Tag. Ich verkniff es mir, all die dubiosen Welt-irgendwas-Tage zu hinterfragen und nutzte die Gelegenheit, außer der Reihe einem weiteren Goldwort nachzuspüren.

Ein Miesepeter ist jemand, der gerne an Dingen herumnörgelt und überall nur das Negative sieht. Er findet quasi immer ein Haar in der Suppe … Oh weia, jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht gleich noch die nächste Redewendung erkläre.

Also: Was haben die Peters dieser Welt verbrochen, dass sie kollegial als Nölnulpen hingestellt werden?

„Mies“ kommt möglicherweise vom Aramäischen „me’ss“ für „widerlich“. Alternativ kann es sich auch vom hebräischen Wort „miuss“ ableiten. Das bedeutet Ekel.

Peter kommt vom lateinischen „Petrus“. Das ist nicht nur Jesus‘ Jünger, sondern bedeutet auch Felsen.

Streng genommen ist ein Miesepeter also ein widerlicher Felsen. In meinen Augen ergab das zunächst wenig Sinn. Meine Abonnent:innen auf Facebook und Instagram kamen dann aber mit zwei schönen Interpretationsansätzen um die Ecke:

Ich finde die Beschreibung macht doch Sinn: Denn oft ist es doch so, dass gerade die Miesepeter fest und starr in ihrer Meinung im Sumpf des Nörgel-Morast verharren. Der Nörgel-Fels.

Oder dass Felsen als blöd empfunden werden, weil ihre Überwindung anstrengend ist.

Welches Wort oder welche Redewendung möchtest Du von mir näher beleuchtet sehen? Verrat es mir in den Kommentaren!

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