Wie jeden Monat habe ich auch im Februar 2020 wieder vier seltene Goldwörter auf Facebook und Instagram vorgestellt. Eines davon ist im wahrsten Sinne außergewöhnlich, eins schwer abgrenzbar, eins eine liebevolle Beleidigung und eins kannte ich bis vor kurzem selbst noch nicht. Legen wir los:

extraordinär

Extraordinär steht für außergewöhnlich.

Als ich ein Kind war, klang das Wort „extraordinär“ für mich immer nach etwas Dubiosem. Irgendwie verboten. Dabei hat es in Wahrheit weder mit dem organisierten Verbrechen noch mit Geheimagenten zu tun (nicht unmittelbar jedenfalls).

Das Wort setzt sich aus „extra“ und „ordinär“ zusammen. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt „extra“ so viel wie „außerhalb“. „Ordinär“ beziehungsweise „ordinarius“ bedeutet „ordnungsgemäß“ oder auch „regelmäßig“. Zusammen beschreiben sie also eine Sache, die außerhalb der Ordnung ist. Etwas ganz Außergewöhnliches!

Da gibt es aber noch mehr zu lernen: Ordinarius ist die veraltete Bezeichnung für einen Professor an einer Universität. Im Römischen Reich war ein Ordinarius ein Arzt oder Architekt.

Spannend, oder?

Persiflage

Eine Persiflage ist eine geistreiche Verspottung

Nie hätte ich gedacht, dass ich mal über Oliver Pocher und Michael Wendler schreiben würde. Das zauberhafte Wort „Persiflage“ fand eine Freundin von mir aber ausgerechnet in einem Zeitungsartikel über diese beiden. Tja, was soll ich da machen? Am besten schnell im Text weitergehen:

Der Begriff Persiflage leitet sich vom französischen Wort „persifler“ ab, was sich mit „lächerlich machen“ oder „verspotten“ übersetzen lässt. Es handelt sich um eine geistreiche oder ironische Verspottung eines Genres oder eines Werkes.

Viele verwechseln die Persiflage mit der etwas besser bekannten Parodie, obwohl die beiden zwei unterschiedliche Sachverhalte bezeichnen.

Bei der Persiflage geht es um eine inhaltliche Überspitzung. Bei der Parodie hingegen wird die Darstellung oder Form einer Sache ins Lächerliche gezogen.

Ein Beispiel: Eine Persiflage ist es, wenn Du den Inhalt eines Liedes überspitzt wiedergibst. Eine Parodie wäre es, wenn Du den Text des Liedes auf eine andere Melodie singst.

Häufig sind die Grenzen fließend. Und dann gibt es ja auch noch die Satire …

So merke ich mir den Unterschied: Die Satire kritisiert, die Parodie macht sich über die Form lustig und die Persiflage verspottet den Inhalt.

Flitzpiepe

Flitzpiepe ist eine liebevoll gemeinte Beleidigung.

„Du Flitzpiepe!“, heißt es bei uns in Sachsen gerne mal, wenn sich jemand ein bisschen anstellt oder etwas verbockt hat. Eine typische „Pfeife“ – freundlich gemeint! 😉

Entstanden ist dieses entzückende Wort in Berlin. Es wird aber auch in anderen Teilen Deutschlands gerne verwendet.

Bezüglich seiner Herkunft habe ich keine offiziellen Belege gefunden. Bei meinen Recherchen bin ich aber auf folgende Ansätze gestoßen:

Der Ausdruck „Piepe“ ist eine niederdeutsche Bezeichnung für eine Pfeife. „Flitzen“ bedeutet „sich schnell vorwärts bewegen“.

Es ergibt doch Sinn, jemanden, der in Eile ist und dabei etwas Ungeschicktes tut, nicht nur als Pfeife, sondern gleich als „Flitzpiepe“ zu titulieren. Oder findest Du nicht?

Passend zur fünften Jahreszeit gibt es noch eine weitere Analogie: Karnevalspfeifen, die sich ausrollen, wenn in sie hineingeblasen wird, werden ebenfalls Flitzpiepen genannt. Die, die es mit dem Schabernack ein wenig zu weit treiben, sind also auch waschechte Flitzpiepen.

somnambul

Somnambul bedeutet schlafwandelnd.

Somnambul? Gibt es das nicht beim Inder um die Ecke? Ein erstklassiges Curry mit feuriger Note?

Leider muss ich den Essens-Tagtraum an dieser Stelle unterbrechen. Denn das schöne Wort „somnambul“ hat eine vollkommen andere Bedeutung: „schlafwandelnd“ oder auch „mondsüchtig“.

Wie so oft liegt die Erklärung im Lateinischen. „Somnus“ bezeichnet nichts anderes als Schlaf. Das Verb „ambulare“ bedeutet „umhergehen“ oder „wandeln“. Und zusammen ergeben sie somnambul.

Jemand, der schlafwandelt, ist entsprechend ein Somnambuler. Das Verb dazu heißt „somnambulieren“.

Bis vor einigen Wochen kannte ich das Wort selbst noch nicht, aber es hat sich schnell zu einem meiner neuen Lieblingsausdrücke gemausert 😉 Schade nur, dass es sich so selten anbringen lässt.

Möchtest Du noch mehr spannende Begriffe kennenlernen? Dann schau Dir auch die Goldwörter der vergangenen Monate an!

Über welches Wort möchtest Du noch mehr erfahren? Welche schönen Ausdrücke kursieren zum Beispiel in Deiner Region? Schreib es mir in die Kommentare!

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